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Liebherr: Schleppende Nachfrage in Deutschland bremst Wachstum

Unternehmensgruppe hat im Geschäftsjahr 2024 den höchsten Umsatz seiner Firmengeschichte erzielt -2025 rechnet man noch mit unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

DBU/ Bulle (Schweiz) – Liebherr hat im Geschäftsjahr 2024 den höchsten Umsatz seiner Firmengeschichte erzielt. Das Wachstum fiel mit 4,1 Prozent geringer aus als das durchschnittliche Wachstum der vergangenen fünf Geschäftsjahre. In sieben ihrer 13 Produktsegmente hat die Firmengruppe Umsatzsteigerungen erzielt. Dabei entwickelten sich die Geschäfte in den verschiedenen Produktsegmenten und Absatzregionen unterschiedlich. So belastete die gedämpfte Nachfrage in der Bauindustrie, vor allem in Deutschland, einige Produktsegmente bei Liebherr. Die Rückgänge konnten jedoch durch die erfolgreiche Vermarktung anderer Produkte ausgeglichen werden. Wachstumstreiber waren in erster Linie Mobilkrane, Komponenten für den Produktbereich Aerospace sowie eine gute Auftragslage in den Bereichen Mining und Verzahntechnik.

Im Bereich Baumaschinen und Mining wuchs Liebherr um 3,5 % und erwirtschaftete einen Umsatz von 9.891 Mio. €. Zu dem Bereich zählen die Produktsegmente Erdbewegung, Materialumschlag, Spezialtiefbau, Mining, Mobil- und Raupenkrane, Turmdrehkrane sowie Betontechnik. In den Produktsegmenten Maritime Krane, Aerospace und Verkehrstechnik, Verzahntechnik und Automationssysteme, Kühl- und Gefriergeräte, Komponenten sowie Hotels erzielte Liebherr einen Gesamtumsatz von 4.731 Mio. €, was einem Zuwachs von 5,5 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

In Asien und Ozeanien, vor allem getrieben durch die Entwicklung in Australien und Japan, konnte ein erfreulicher Umsatzanstieg verzeichnet werden. Innerhalb Europas verbuchte die Firmengruppe jedoch, trotz guter Geschäfte in den Niederlanden, in Spanien und Portugal sowie im Vereinigten Königreich, einen leichten Umsatzrückgang. Ebenfalls unter dem Vorjahresniveau lag der Umsatz in Mittel- und Südamerika. Demgegenüber stieg er in Nordamerika sowie in der Region Afrika / Naher und Mittlerer Osten an, wobei Länder wie die USA, Kanada und Südafrika besonders hervorzuheben sind.

Die Firmengruppe erzielte 2024 ein Jahresergebnis von 258 Mio. €. Während sich das Betriebsergebnis weiter verbesserte, lag das Finanzergebnis unter dem Vorjahreswert. Erneut gewachsen ist im Geschäftsjahr 2024 außerdem die Mitarbeiterzahl. Zum Jahresende beschäftigte Liebherr weltweit insgesamt 54.728 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 1.069 mehr als im Vorjahr.

Alternative Antriebe und Digitalisierung als Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte

Liebherr verfolgt das Ziel, den technologischen Fortschritt maßgeblich mitzugestalten. Im vergangenen Jahr investierte die Firmengruppe deshalb 666 Mio. € in Forschung und Entwicklung. Ein Großteil davon floss in die Entwicklung neuer Produkte. Liebherr hat im Geschäftsjahr 2024 bestehende Technologien weiterentwickelt und das Produktprogramm um zahlreiche Maschinen, Komponenten und Lösungen ergänzt. Die Bereiche alternative Antriebe, Digitalisierung und Autonomie waren auch im vergangenen Jahr wieder zentrale Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte.

Liebherr unterstützt seine Kunden mit einem technologieoffenen Ansatz dabei, ihre Emissionsziele zu erreichen. Deshalb entwickelt die Firmengruppe unter anderem Lösungen für elektrische Antriebe, alternative Kraftstoffe für konventionelle Verbrennungsmotoren und wasserstoffbasierte Antriebe wie zum Beispiel Wasserstoffmotoren und mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen. Beispielsweise wurde im Jahr 2024 der erste Prototyp des Großradladers L 566 H mit einem Wasserstoffverbrennungsmotor vorgestellt. Liebherr hat die Serienauslieferung des mobilen Energiespeichers LPO 100 gestartet und die Entwicklung des leistungsfähigeren Prototyps LPO 600 begonnen. Zudem wurde der Hybridkran LTC 1050-3.1E eingeführt, der im reinen Batteriebetrieb auf Baustellen eingesetzt werden kann. Im Bereich Luftfahrt erweitert die Firmengruppe ihr Portfolio um Flugsteuerungscomputer der nächsten Generation und modulare elektromechanische Stellantriebe. Auf der MINExpo 2024 in Las Vegas (NV/USA) gaben Liebherr und der Kunde Fortescue zudem eine historische Partnerschaftserweiterung bekannt. Der damit einhergehende größte Auftrag der Firmengeschichte umfasst die Lieferung von 475 emissionsfreien Mining-Maschinen, darunter 360 autonome batterieelektrische Muldenkipper T 264. Die Partnerschaft zielt darauf ab, bis 2030 gemeinsam ein umfassendes emissionsfreies Mining-Ökosystem zu entwickeln.

Im Bereich Autonomie und Automatisierung wurde die Teleoperationseinheit LiReCon zur Serienreife geführt und im Produktsegment Verzahntechnik und Automationssysteme wurde Liebherr für seine Automationslösung zur Demontage gebrauchter Batterien ausgezeichnet. Liebherr forscht zudem an verschiedenen maschinellen Lernalgorithmen, um die Sicherheit, Effizienz und Nutzererfahrung in halbautonomen und autonomen Maschinen zu gewährleisten. Zudem stellt Liebherr an der Bauma 2025 das autonome System „Liebherr Autonomous Operations“ vor. Die Lösung, die sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befindet, ermöglicht einen komplett fahrerlosen Betrieb und eignet sich vor allem bei monotonen Standardtätigkeiten und bei Einsätzen in Gefahrenbereichen.

Die Firmengruppe baute ihre Präsenz als digitaler Lösungsanbieter weiter aus. Schwerpunkte liegen unter anderem auf Lösungen wie Liebherr Connect zur Vernetzung von Maschinen und auf IT-Security Lösungen für Produkte. Auch erkennt Liebherr die Bedeutung von künstlicher Intelligenz (KI), um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und Innovationen voranzutreiben, weshalb die Firmengruppe in Ulm ein Kompetenzzentrum eingerichtet hat.

Hohe Investitionen in Produktion, Vertrieb und Service

Investitionen von 989 Mio. € flossen in die Produktionsstätten sowie das weltweite Vertriebs-, Logistik- und Servicenetz. Die Investitionen lagen somit 4.0 % unter dem Vorjahreswert. Dem stehen Abschreibungen in Höhe von 589 Mio. € gegenüber.

In Deutschland investierte die Liebherr-Components Kirchdorf GmbH in den letzten Bauabschnitt des Hauptwerks für die Produktion von Hydraulikzylindern und in Österreich hat die Liebherr-Werk Bischofshofen GmbH ein Grundstück in Wildon erworben, mit einer Fläche von über 200.000 m2. Durch diese Erweiterung soll eine Erhöhung der Produktionskapazitäten ermöglicht werden. Die Fertigstellung des zusätzlichen Produktionsstandortes ist für das Jahr 2029 geplant. Ebenfalls in Österreich stellte die Liebherr-Hausgeräte Lienz GmbH ihr neues Logistikzentrum fertig. In Campsas investierte die Liebherr-Aerospace Toulouse SAS in den Bau eines neuen Industriegebäudes zur Produktion von Wärmetauschern, welches im Jahr 2025 in Betrieb genommen werden soll. Auf dem amerikanischen Markt, welcher seit Jahren zu den wichtigsten der Firmengruppe gehört, erwarb Liebherr ein Grundstück für ein neues Logistik-Distributionszentrum in Tupelo. Das Werk in Newport News (VA/USA) wurde erweitert, um der künftigen Nachfrage nach Muldenkippern gerecht zu werden.

Ausblick auf 2025

Liebherr rechnet für das gesamte Jahr 2025 mit unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die die Investitionsbereitschaft auf Kundenseite belasten können. Dazu kommt in einigen Branchen ein hoher Kostendruck, um Produkte und Leistungen in einer ohnehin herausfordernden Wettbewerbslandschaft zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten zu können. Jedoch ist die Firmengruppe mit ihren innovativen Produkten und Lösungen, langjährigen Kundenbeziehungen, ihrer internationalen Aufstellung und ihrer dezentralen, diversifizierten Struktur gut positioniert. Sie ist gesamthaft mit einem soliden Auftragsbestand in das laufende Geschäftsjahr gestartet, wenngleich sich die Nachfragesituation in den 13 Produktsegmenten teilweise deutlich voneinander unterscheidet. Besondere Chancen bieten sich gegenwärtig vor allem in der Luftfahrt- und Mining-Industrie sowie auf dem australischen und amerikanischen Markt. Liebherr sieht sich gut aufgestellt und blickt positiv in die Zukunft. Für das Jahr 2025 erwartet die Firmengruppe ein moderates Wachstum mit Seitwärtsbewegungen bei der Umsatzverteilung.

Der aktuelle Geschäftsbericht  der Firmengruppe  enthält neben detaillierten Zahlen einen Magazinteil, der auf das vergangene Geschäftsjahr zurückblickt. In einem Interview ziehen Jan Liebherr, Präsident des Verwaltungsrats der Liebherr-International AG und Philipp Liebherr, Mitglied des Verwaltungsrats der Liebherr-International AG, ihr Fazit für 2024.

Bild: Ein Liebherr-Mobilkran LTM 1650-8.1 montiert eine Windkraftanlage in Yurihonjō, einer Stadt in der Präfektur Akita auf Honshū, der Hauptinsel Japans. (Foto: Liebherr)

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Erschienen in Ausgabe: online

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