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Vom Wohnungsbau-Boom profitieren vor allem größere Baubetriebe
Bauwirtschaft mit der Bilanz 2017 zufrieden. Preisauftrieb am Bau hat sich mehr als verdoppelt
DBU/Berlin – Das satte Branchenwachstum 2017 hat viele kleine Baubetriebe in Deutschland nicht erreicht. Die Profiteure des Booms sind vorrangig Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigen. Das geht aus den Zahlen hervor, die der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) Mitte Januar in Berlin vorgelegt haben.
Laut HDB-Präsident Peter Hübner hat die Bauwirtschaft in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres geschätzt 4,5 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Doch Baubetriebe mit mehr als 20 Beschäftigten haben nach Angaben der Spitzenverbände in diesem Zeitraum gut neun Prozent Umsatzsteigerung erzielt – also das Zweifache des durchschnittlichen Marktwachstums. Durch diese Zahlen ist klar, dass kleinere Unternehmen deutlich unterdurchschnittlich abgeschlossen haben – ihre Umsätze sind deutlich schwächer gewachsen als der Markt. Der Unterschiede werde vor allem im Wohnungsbau sichtbar, so HDB-Präsident Hübner.
„Zufriedene Gesichter“
Doch unterm Strich sind die Spitzenverbände mit der Jahresbilanz 2017 zufrieden. „Sie schauen in zufriedene Gesichter.“ Mit diesen Worten eröffnete HDB-Präsident Hübner die Pressekonferenz der beiden Spitzenverbände zum Jahresauftakt in Berlin. Der gesamte Jahresverlauf 2017 sei von einer hohen Baunachfrage gekennzeichnet gewesen, so Hübner. Noch liegen die abschließenden Zahlen nicht vor. Doch HDB und ZDB rechnen mit einem branchenweiten Jahresumsatzplus von rund fünf Prozent. Das entspricht exakt der Jahresgesamtprognose, mit der die Spitzenverbände ins vergangene Jahr gestartet waren.
Doch auf der Ebene der Bausparten bietet sich ein ganz anderes Bild. Vor zwölf Monaten prognostizierten die Verbände, dass der Wohnungsbaumarkt deutlich stärker wachsen würde als der Wirtschaftsbau und der Öffentliche Bau. Rückblickend ergibt sich aber ein anderes Bild.
Nun gehen HDB und ZDB davon aus, dass der der Jahresumsatz im Wohnungsbau 2017 vier Prozent über dem Vorjahresniveau liegt. Das Wachstum des Öffentlichen Baus und des Wirtschaftsbau soll mit 5,5 Prozent beziehungsweise mit 6 Prozent deutlich stärker ausgefallen sein.
In der Realbetrachtung fällt das Wachstum 2017 (plus 1,8 Prozent) deutlich schwächer aus als das Branchenwachstum des Jahres 2016 (plus 4,8 Prozent). Hierzu trägt auch bei, dass die Preise für Bauleistungen im abgelaufenen Jahr durchschnittlich um 3,2 Prozent gestiegen sind. Gegenüber der Jahresteuerungsrate 2016 bedeutet dies eine Beschleunigung des Preisauftriebs um 1,7 Prozentpunkte. Laut HDB-Präsident ist der Preisanstieg vorrangig kostengetrieben. So hätten „Kostensteigerungen für Material, Lohn und Geräte wesentlichen Anteil“ am Ansteigen der Baupreise, so Hübner.
Von dieser Entwicklung profitierten die Baubetriebe offenbar nicht. „Wir hoffen auf weiter steigende Preise für Bauleistungen“, so Hübner. Die Margen der Bauunternehmen seien immer noch sehr niedrig.
Im Gewerkevergleich sei keine unterschiedliche Preisentwicklung zu beobachten, so Hübner. „Die Baupreise im Wohnungsbau steigen nicht schneller.“
Erschienen in Ausgabe: Februar 2018 | Seite 1